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Ihr Auftrag
Das Rätsel der persischen Mumie.
Original oder Fälschung?
Mumie Auf einem Antiquitäten-Markt in Pakistan wird eine Mumie entdeckt. Sind es tatsächlich die 2.600 Jahre alten sterblichen Überreste einer persischen Prinzessin?
Die falsche Prinzessin
Im Oktober 2000 wurde in Kharan, in der pakistanischen Provinz Belutschistan, eine Mumie beschlagnahmt und in das Nationalmuseum von Karachi gebracht. Ähnlich wie bei ägyptischen Mumien, befindet sich der Leichnam in einem doppelten Sarg, einem inneren aus Stein und einem äußeren aus Holz. Der Körper der Mumie ist eingehüllt in Leinentücher und befestigt auf einer Strohmatte, die getränkt war mit Harz, Wachs und Honig. Die Mumie trägt eine goldene Krone, die sieben Zypressen symbolisiert, und eine Goldplatte auf ihrer Brust mit ihrem Namen und dem ihres Vaters in altpersischer Keilschrift. Sowohl diese Inschrift als auch die auf dem Holzsarkophag deuten darauf hin, dass es sich um Rhodugune, die Tochter des großen persischen Herrscher Xerxes handelt, der vor etwa 2500 Jahren lebte.

Da nie zuvor eine persischen Mumie gefunden wurde, war das eine archäologische Sensation, die wissenschaftliches Interesse unterschiedlicher Disziplinen hervorrief. So wurde die altpersische Keilschrift und die Bauweise der Särge untersucht, der gesamte Körper wurde einer Röntgen Computertomographie unterzogen und mehrere Proben wurden mit Hilfe der Radiocarbon-Methode absolut datiert.

Die 14C-Datierungen wurden mit dem Erlanger Beschleuniger-Massenspektrometer (AMS) durchgeführt. Wir erhielten anfangs nur Proben aus der Umgebung der Mumie, ein winziges Stück Leinen aus ihrer Umhüllung sowie einige Fasern der Strohmatte, in der sich noch etwas Holzkohle befand. Später kamen noch Proben der Mumie dazu, Knochen, Haut und Muskelfasern. Um eine Verfälschung des Alters durch organische Konservierungsstoffe zu vermeiden, wurden alle Proben mit Hilfe der Soxhlet-Methode gereinigt. Da die Konservierungsstoffe unbekannt waren, wurde das Verfahren mit unterschiedlichen organischen Lösungsmitteln in einer elutropen Sequenz durchgeführt, wo jedes nachfolgende Lösungsmittel seinen Vorgänger entfernt bis das letzte schließlich mit Wasser ausgewaschen werden kann. Die weitere Probenvorbehandlung zur Entfernung weiterer störender Verunreinigungen war unterschiedlich je nach Probentyp, für die Datierung von Knochen wurde Kollagen extrahiert. Die Sputtertargets für die AMS-Datierung wurden durch Verbrennung bei 1800 °C in einem Elementanalysator mit nach-folgender katalytischer Reduktion hergestellt.

Der 14C-Gehalt für Leinen, Strohmatte und Holzkohle ist im Rahmen des Fehlers gleich 113 pMC (percent modern carbon) und übersteigt damit deutlich den für ca. 500 BC erwarteten Wert von 75 pMC. Dieses überraschende Resultat bedeutet, dass alle drei Proben jünger sind als 1955 (entsprechend 100 pMC) und dass der überhöhte Wert von den oberirdischen Atombombentests Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre herrührt. Da der 14C-Gehalt der Atmosphäre nach dem Teststopp Abkommen nach 1965 wieder abnahm und auf den heutigen Wert von etwa 108 pMC absank, stammen die Proben entweder von 1958 oder von 1992 entsprechend dem Anstieg oder dem Abfall der Bombenkurve. Um diese Mehrdeutigkeit aufzulösen und damit einen genauen Todeszeitpunkt der weiblichen Leiche zu erhalten, wurde zusätzlich der 14C-Gehalt unterschiedlicher Teile des Körpers bestimmt, die einen verschieden schnellen Kohlenstoff-Zyklus haben. Da das Kollagen menschlicher Knochen einen langsameren Kohlenstoff-Zyklus hat als zum Beispiel Haut, enthält es jeweils immer älteren Kohlenstoff als die Haut. Die entsprechenden AMS-Messungen ergaben einen höheren 14C-Gehalt für das Knochen-Kollagen im Vergleich zu dem der Haut und den Muskelfasern, so dass der Todeszeitpunkt mit Sicherheit im abfallenden Teil der Bombenkurve war. Die Radiocarbon-Messungen können so interpretiert werden, dass der Tod der Frau zwischen 1994 und 1996 eingetreten ist.

Die absolute Datierung der Mumie und der anderen Proben ergaben somit eindeutig, dass die Mumie eine moderne Fälschung ist. Dies unterstützten auch die Ergebnisse der übrigen Untersuchungen. In der altpersischen Keilschrift wurden mehrere Fehler entdeckt, die Grammatik war teilweise falsch und der Text enthielt Begriffe, die es vor 2500 Jahren noch nicht gab. Die handwerkliche Untersuchung des Holzsargs deutet darauf hin, dass er mit modernen Geräten bearbeitet und Bleistift zum Vorzeichnen verwendet wurde.

Die medizinische Untersuchung des Körpers mittels Computertomographie ergab, dass die Frau zwischen 20 und 40 Jahre alt war, dass alle Zähne entfernt wurden und sich die Einbalsamierungsprozedur des Leichnams deutlich zu der ägyptischen Methode unterschied. Mit den Mitteln der modernen Wissenschaft wurde der Sensationsfund als Fälschung entlarvt.

Prof. Dr. Wolfgang Kretschmer

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